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Eröffnung der Sonderausstellung
»Thomas Platter – der Drucker«
Gleich zwei Ereignisse konnte Peter Schai, Präsident der Stiftung Basler Papiermühle, den zahlreich erschienenen Gästen am Abend des 11. November 1999 ankündigen: die Eröffnung der Sonderausstellung »Thomas Platter – der Drucker« und die Präsentation des Buches »Thomas Platter Lebenserinnerungen« des Basler GS-Verlages, an dessen Produktion die museumseigenen Werkstätten massgeblich beteiligt waren. Peter Tschudin, wissenschaftlicher Leiter der Papiermühle, führte sodann kurz, aber brillant in die Ausstellung ein: Thomas Platter war nicht nur ein aus den Walliser Bergen stammender Geissbub, der über viele Stationen eine fabulöse Karriere machte und schliesslich als Gelehrter und Rektor am Basler Gymnasium wirkte; er war auch während über zwanzig Jahren Buchdrucker und Verleger. Diesem Aspekt von Platters Wirken ist die bis zum 31. März 2000 laufende Sonderausstellung gewidmet. In drei Ausstellungsräumen wird Platters Selbstverständnis als einem vom Humanismus geprägten Anhänger der Reformation und als Schulmann umrissen, der entsprechend seinen Interessen und seinem “Kundensegment”, nämlich Schülern, Studenten und Lehrern, immer gut rechnend Bücher druckte und auch herausgab – und damit sein Vermögen machte.
Alfred Zeugin stellte sodann in kurzen Worten die Stiftung Thomas Platter-Haus vor, die er präsidiert: Die Stiftung Thomas Platter-Haus entstand in den 60er Jahren aus dem Komitee zur Rettung des Platterschen Landsitzes im Gundeldingerquartier, welcher vom Abriss bedroht war. 1974 erfolgte die Renovierung des ehemaligen Weiherschlosses. Üblicherweise tritt die Stiftung, deren Zweck der dauerhafte Erhalt des Platter-Hauses ist, in der Öffentlichkeit nicht in Erscheinung. Die 500. Wiederkehr des Geburtstages Thomas Platters war aber Anlass, den berühmten Basler in einer Reihe von Veranstaltungen zu würdigen. Wer war Thomas Platter? Jules Grand, Vizepräsident der Stiftung und als Rektor des Gymnasiums am Münsterplatz aktueller Nachfolger Thomas Platters im Amt, war es ein grosses Anliegen, die facettenreiche Persönlichkeit Platters in breiten Kreisen – im besten Sinne – populär zu machen. Ein offizieller Tag in Basel mit Delegationen aus Platters Geburtsort Grächen/VS, ein Thomas Platter-Fest am ehemaligen HG, die Ausstellung in der Papiermühle und das Platter-Symposium – um die wichtigsten zu nennen – waren Events, die dies zum Ziel hatten. Gerade auch mit neuen Medien – Beispiel: Multimediastation in der Ausstellung des Papiermuseums – soll die jüngere Generation angesprochen werden.
Beat Trachsler stellte zum Schluss die neuste Schrift des Basler GS-Verlages vor: Thomas Platter Lebenserinnerungen. Das Bändchen umfasst Platters Lebenserinnerungen, in neuer Überarbeitung in heutiges Deutsch übertragen, sowie die Beiträge Peter Tschudin »Thomas Platter – der Drucker« und Brigitt Kuhn »Thomas Platters Häuser«. Das in der Basler Papiermühle gedruckte Buch ist nicht als wissenschaftliche Edition konzipiert, sondern wendet sich – ganz im Sinne Platters – an einen breiten Leserkreis, eben auch an Schülerinnen und Schüler.
November 1999 bis März 2000
Thomas Platter - der Drucker
Sonderausstellung vom 12. November 1999 – 31. März 2000 in der Basler Papiermühle
Die Ausstellung gedenkt des
500. Geburtstages des Walliser Geisshirten, der nach langen Wanderjahren als
Schüler und Student, die ihn bis an die Grenze Polens führen, humanistischer,
reformiert gesinnter Schulmann, Drucker, Gymnasialrektor und Schlossgutsbesitzer
in Basel wird. Der Thematik des Museums entsprechend wird seine Tätigkeit im
Dienste der Verbreitung des Wissens mittels des damals neuesten Mediums, des
gedruckten Buches, in den Mittelpunkt gestellt.
Auch die zweite Sonderausstellung 1999 der Basler Papiermühle ist einem Thema der Druckgeschichte gewidmet. Basel feiert – ebenso wie der Geburtsort Grächen im Wallis – die 500. Wiederkehr des Geburtstages von Thomas Platter d. Ä., dem Ahnherrn der Platter-Dynastie, die im Basel des 16. Jahrhunderts europäische Kultur-, Religions- und Medizingeschichte schrieb. Schreiben ist dabei sehr wörtlich zu nehmen, denn alle drei berühmten Platter haben Autobiographien und Reisebeschreibungen hinterlassen, die ein äusserst lebendiges Bild von dieser Zeit des Umbruchs vermitteln. In Basel ist Platter als erster Rektor des von ihm neugestalteten Gymnasiums «auf Burg» am Münsterplatz bekannt. Nur wenige hingegen wissen, dass er in Basel lange Zeit auch als Drucker und Verleger gewirkt und damit den Grundstock zu seinem Vermögen gelegt hat.
Der Lebenslauf des in der Ausstellung Geehrten ist beeindruckend: Ein Walliser Geisshirt wird fahrender Schüler, wandert bis Breslau und München, kommt in Zürich mit den Anfängen der Reformation und mit dem Humanismus in Berührung, wird Privatlehrer und Seiler und zieht nach Basel, um den dortigen Humanisten nahe zu sein. Er knüpft Bekanntschaften mit den massgebenden Gelehrten und Druckern und beginnt Hebräisch zu dozieren. Da er noch Medizin studieren möchte, verdingt er sich als Famulus beim neuen Leibarzt des Basler Bischofs in Pruntrut; der Arzt wie auch Platters Tochter sterben an der Pest.
Da lockt ihn das Angebot eines befreundeten Druckerherrn, die gutbezahlte Stelle eines Lektors und Korrektors in dessen Verlag anzunehmen, und so beginnt die bisher fast unbekannte Druckerlaufbahn Platters. Er macht sich rasch mit allen technischen Einzelheiten der neuen Kunst vertraut und übernimmt nach vier Jahren mit drei Teilhabern eine Verlagsdruckerei. Das Verlagsprogramm umfasst vor allem Schul- und Universitätslehrbücher sowie reformatorische Schriften, u.a. die Erstdrucke der theologischen Werke Calvins. Wegen Meinungsverschiedenheiten über die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens tritt der scharf rechnende Platter aus der Gemeinschaft aus und eröffnet eine eigene Verlagsbuchhandlung mit Druckerei. Das Verlagsprogramm führt er weiter. Da das Haus sich rasch als zu eng erweist, kauft er – auf Kredit – günstig zwei grössere Häuser, in denen er eine neue Druckerei mit drei Pressen einrichtet. Die Buchhandlung gibt er als zu wenig gewinnbringend auf.
Gleichzeitig betreibt er eine Tischgängerei mit
angeschlossener Privatschule. Bald beschliesst er, fortan nur sicheren Gewinn
bringende Auftragsdrucke auszuführen und auf eine eigene Verlegertätigkeit
weitgehend zu verzichten. Die für Drucker günstige Konjunktur hält jedoch
nicht an. Da drängt ihn der Rat der Stadt, die Stelle des Rektors der
Münsterschule zu übernehmen und diese auf eine neue Grundlage zu stellen.
Platter bedingt sich ein für die damalige Zeit grosszügiges Gehalt aus und
sagt zu. Damit ist sein Wohlstand gesichert. Die Druckerei verpachtet er und
verkauft sie später. 25 Jahre hat Platter sein Brot mit dem Buchdruck verdient!
Der Schulmann kauft schliesslich ein Schloss mit Landgut vor den Toren der
Stadt, das noch erhaltene Weiherschlösschen Gundeldingen, wo er sich seiner
Ursprünge erinnert, der Landwirtschaft.
Seine Drucke fallen, wie in der Ausstellung deutlich wird, weder durch gepflegte Ästhetik noch durch besondere Sorgfalt auf. Er hat nicht nur bei den Arbeitskräften, sondern auch während des Setzens und Druckens gespart. Wollte er etwa zugunsten seiner Zielgruppe (Studenten, Schulmeister, Pfarrer und Gelehrte) seine Bücher wohlfeil anbieten? Platter hat als Drucker unternehmerisch richtig gedacht und es gleichzeitig verstanden, sich für die Verbreitung der ihm besonders wich-tigen geistigen Werte der Reformation und des Humanismus einzusetzen
Wie tönt Thomas Platter? In der Ausstellung geben davon unsere Hörstationen eine Vorstellung. In Koproduktion mit der Basler Papiermühle hat Schweizer Radio DRS eine CD mit Ausschnitten aus der Lebensbeschreibung Thomas Platters herausgegeben. Gelesen wird der Text vom Walliser Franziskus Abgottspon, dem es gelingt, die Kraft der Sprache Platters zur Entfaltung zu bringen. Das gut verständliche Frühneuhochdeutsch des 16. Jahrhunderts, in dem der Originaltext verfasst ist, trägt zum besonderen Hörvergnügen bei, das uns Abgottspon mit seiner äusserst lebendigen Einspielung bietet. Die CD wird im Museumsladen der Basler Papiermühle verkauft.
Lebensbeschreibung von Thomas Platter
Auszüge gelesen von Franziskus Abgottspon nach der
Buchausgabe im Schwabe -Verlag Basel, 1999, Produktion SR DRS 1999 Preis: Fr.
25.–
Gänsegeschnatter
dürfte für Thomas Platter wohl zu den vertrauten Alltagsgeräuschen gehört haben. Besonders in Erinnerung blieb ihm sicher jene Gänseschar, auf die er ausserhalb von Meissen Jagd machte, wie es in seiner Lebensbeschreibung nachzulesen ist. Dass aber eben diese gejagte Gänseschar vier Jahrhunderte später noch immer um ihn herum schnattern wird, dies hat er sich kaum träumen lassen...

Nein, einen Stall
für Federvieh hat die Papiermühle nicht eingerichtet, dafür aber eine
Multimedia-Ecke: Charlotte Greber und Bruno Steiner von der Schule für
Gestaltung, Fachbereich Bildende Kunst, Basel, halten hier nicht zurück mit
ihren sprudelnden Ideen. Auf äusserst unterhaltende und spannende Weise setzen
sie Thomas Platters Lebenserinnerungen in Bildern, Geräuschen und bewegten
Sequenzen um und bieten so den BesucherInnen der Ausstellung eine weitere
Möglichkeit, sich in die Welt von Thomas Platter hineinzudenken. Was an der
sehr gelungenen Arbeit besonders fasziniert, ist die Umsetzung der Geschichten
und Begebenheiten jener Zeit anhand von Motiven die auf weite Strecken der
heutigen Zeit angehören: Beim Umzug Platters nach Visp etwa – eine
vorüberziehende Karavane lauter überdimensionaler Haushaltsgegenstände –
finden wir Glühbirnen, Skischuhe und Teddybären. Die Wanderjahre Platters
huschen als Filmsequenzen einer Landschaft vorüber, die aus dem Fenster eines
fahrenden Zuges aufgenommen ist. Diese Darstellung bedient sich nicht nur der
Übertragung des Reisens auf heutige Transportverhältnisse, sondern setzt
gleichzeitig den Effekt der optischen zeitlichen Raffung ein, der durch das
Medium der bewegten Darstellung gegeben ist.
Aufgebaut ist das Programm so, dass sich die BesucherInnen nach eigener Lust und Laune auf dem Bildschirm durch Platters Leben klicken können; sowohl Tempo wie Reihenfolge der Begebenheiten können frei bestimmt werden. Die Multimedia-Arbeit ergänzt und erweitert die Ausstellung aus spielerischer, assoziativer Perspektive, lässt Gesehenes Revue passieren oder erweitert biografisch nur Angetipptes, ohne dabei von der überlieferten Grundlage der Berichte Platters abzuweichen.
Wir danken dem Team ganz herzlich für ihre Arbeit und wünschen Ihnen, liebe BesucherInnen, viel Spass beim Klicken.