Animation - räumlich
Schein und Haben

Realisiert im SODIUM an der HKB Bern, 2005
ca. 200x50cm (variabel)
Wandmalerei (Mineralfarbe) auf roter Wand, Projektion (digitale Malerei ab PC).
Geräte: Computer-Harddisk, XGA-Datenprojektor mit Umlenkspiegel.


Weitere Bilder der Installation siehe unten
Dokumentation PDF (384 kB - Screen)
Dokumentation PDF (8.5 mB - Print)

Verschiedene Bewegt-Bilder:
Video-mp4, 1min 47sec, 3.2mB
Video-QT-Soerensen, 43sec, 676kB
Flash-Animation-(swf), 43sec, 1,7mB



Kurzbeschrieb
Bewegte Digitalmalerei in Form von kleinen Flecken oder Figuren trifft auf Wandmalerei.
Die Figurenkleckse wiederum treffen sich in unterschiedlichen Konstellationen, werden zu
Gruppen und verschmelzen zu Gebilden, in denen letztlich die einzelne Form nicht mehr
wahrnehmbar ist. "Schein und Haben" ist eine malerische Installation, bei der sich stoffliche
Farben (Wandmalerei) und Lichtfarben (Projektion) begegnen. Dieses Zusammentreffen
der beiden Farbsysteme unter Beizug des Faktors Zeit ist für die visuelle Wahrnehmung
eine wiederkehrende Abfolge von Erscheinung und Verschwinden. Die Arbeit schliesst sich
meinen bisherigen Bestrebungen an, die materielle Malerei in die digitale Welt einzubeziehen.
Und umgekehrt.

Wandmalerei
Die Wandmalerei dient als Projektionsfläche für die digitale Malerei. Sie ist mit natürlicher,
mineralischer Farbe gemalt, die auf der Basis von flüssigem Kaliumsilikat hergestellt ist. Die
einzelnen Pigmentpartikel sind weniger vom Bindemittel verschlossen, was auf Lichteinfall
eine gesteigerte Reaktion hervorruft (im Gegensatz zu Farben, die mit Öl, Kunstharz oder
Acryl gebunden sind). Die Begegnung von stofflicher Farbe und Lichtfarbe und die daraus
resultierende optische Wirkung ist ein wichtiger Faktor dieser Arbeit. Das Wandbild steuert
dabei statische, materielle, erdige Komponenten bei. Tradierte, trägere und beständigere
Werte also, die im Zusammenspiel mit dem flüchtigen Licht jedoch in keiner Weise negativ
gewertet sein wollen.

Projektion
In der vom Projektor erhellten Farbfläche, wo das Aufeinandertreffen mit der Digitalmalerei
stattfindet, erscheint diese in anderem Licht und wird anders wahrgenommen. Die statische
Form an der Wand löst sich durch den Licht-Einfluss von ihrer Stofflichkeit und beginnt, sich
in beinahe mystischer Leichtigkeit vom Untergrund zu lösen. Die gegenseitige Beeinflussung
von Licht und Materie ist räumlich spürbar und lässt ein neues Bild entstehen.

Gedanken zur Digitalmalerei
Mit dem Computer gefertigte Malerei kann mittlerweile aussehen wie analoge Malerei. Das ist
für die Malerei als Ganzes eine grosse Bereicherung. Sowohl die
analoge als auch die digitale Malerei kennen Einschränkungen, Begrenzungen, aber
auch Vorteile gegenüber dem jeweils anderen Medium. Ein Pinselstrich in der
digitalen Malerei kann nicht im gleichen Ausmass wie in der analogen Malerei
variiert werden. Zwar gibt es verschiedene zur Verfügung stehhende
Werkzeugspitzen, doch was auf den ersten Blick wie ein zufällig ausgefranster
Pinstelstrich eines verbrauchten Pinsels mit abstehenden Haaren aussieht, ist in
Wirklichkeit die immer gleich aussehende Imitation davon. Andererseits kann viel
besser mit anderen Parametern und Elementen - wie Ebenen, Verläufe, Transparenz
- gearbeitet und wesentlich prozesshafter mit dem Bild umgegangen werden. Es
kann viel länger unfertig gehalten werden, da dauernd Veränderungen vorgenommen
und diese auch wieder rückgangig gemacht werden können. Das Spiel mit Varianten
(durch die Speicherung) ist wohl die grundlegendste Erneuerung, welche die
digitale Malerei im Vergleich zur analogen Malerei voraus hat. Die digitale
Malerei, über einen Projektor in Lichtstrahlen verwandelt, hat in "Schein und Haben"
die Rolle des flüchtigen, unfassbaren Elementes inne, welches die statischen
Grenzen der stofflichen Wandmalerei aufbricht und in den Raum hinein erweitert.
Mit dem hinzukommenden Faktor Zeit wird die digitale Malerei animiert und so zu
einem komplexen, vielschichtig lesbaren Beitrag zum Genre Malerei.


Bewegte Malerei und Animation
Im krassen Gegensatz zum einzelnen Film- oder Videobild, welches unseren Augen
nur für den Bruchteil einer Sekunde zur Verfügung steht, hat ein Gemälde auf
andere Weise mit Bewegung zu tun und kann beim Rezipieren nicht auf einen Blick
wahrgenommen werden. Der Blick schweift auf der Bildfläche umher und nimmt in
räumlich, chronologisch und dramaturgisch nicht vorbestimmter Weise die
Eigenheiten des spezifischen Gemäldes auf. Bei der bewegten Malerei sind die
Verlockungen gross, die technischen Mittel der Animation ganz in der Tradition
von Video oder Film einzusetzen und die Bewegungen flüssig zu halten, ja gar
unsichtbar zu machen. Wie in experimentellen Filmen gibt es in der Malerei
Möglichkeiten, komplett anders mit der Zeit umzugehen. Ein Gemälde an sich ist
ja schon eine Installation, die bei jedem Betrachten neuartig wirkt,
Entdeckungen zulässt. So können die Veränderungen von bewegter Malerei ebenso
viel diffuser, langsamer vor sich gehen, weil nicht filmische Massstäbe
angewendet werden müssen. Die Bewegungen der digitalen Malerei können die
speziellen Gegebenheiten von digitaler Bildproduktion aufnehmen und, zum
Beispiel, die Separationsmöglichkeit der Ebenen oder die Pinseldeckkraft,
thematisieren. Die Resultate solcher bewegter Malerei sind unfilmisch eigenartig.


Technik – Bedarf für Präsentation
Wandmalerei ca.50 x 50cm
Beschaffenheit der Wand
Beton, Tapete oder Verputz
Lichtsituation
Ein diffuses Grundlicht. Wechselnde Lichtverhältnisse gehören zur Arbeit. Fremdeinwirkung
anderer Kunstlichtquellen nach Möglichkeit ausschliessen. Platzierung Um die zum Teil
langsamen Veränderungen wahrnehmbar zu machen wäre ein öfters begangener Ort von
Vorteil. Es könnte gar ein Durchgangsort sein. Die Unterbringung der benötigten Geräte spielt
zusätzlich eine Rolle.
Digitalmalerei:
Photoshop
Programmierung: Director
Abspielgeräte: PC, Director-Datei (Projektor)
Projektor: Datenprojektor XGA mit min. 2000 ANSI-Lumen
Zubehör XGA-Kabel, Stromkabel, Stromzufuhr, Umlenkspiegel.



Bilder der Installation








Bruno Steiner, 22-02-2005